Legendärer Rockkeyboarder

Tastenguru von Deep Purple: Don Airey rockt mit Soloalbum

28. März 2025 , 15:33 Uhr

Seit über 20 Jahren spielt Don Airey für die Rockveteranen Deep Purple die Hammond-Orgel. Auf seinem neuen Soloalbum rockt er sogar noch härter. Inspirieren ließ er sich auch von Billie Eilish.

Der erste Anblick von Don Airey täuscht. Schon als der heutige Deep-Purple-Organist und -Keyboarder in den 1980er Jahren für Rainbow und Ozzy Osbourne in die Tasten griff, sah er nicht unbedingt wie ein Rockstar aus. Doch seit Jahrzehnten sorgt der 76-Jährige im Hardrock-Sektor für fetten Sound. Auf seinem neuen Soloalbum «Pushed To The Edge» legt der Rockveteran sogar noch eine Schippe drauf.

Härter als mit Deep Purple

Heftige Gitarrenriffs, ein markerschütternder Schrei und der kräftige Klang der Hammond-Orgel – gleich der erste Song «Tell Me» lässt keine Zweifel, in welche Richtung es geht. «Ich wollte, dass es auf jeden Fall härter wird als das vorherige Album», sagt Airey im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London.

Der Begriff Soloalbum stimmt nicht ganz, denn der Brite hat einige Vertraute ins Studio geholt, darunter Leadsänger Carl Sentance, der seit 2015 Frontmann der Classic-Rocker Nazareth ist. «Es ist ein Bandalbum, aber ich schwinge die Peitsche», sagt Airey schmunzelnd. «Ich habe zu Carl gesagt: „Lass es einfach raus, Mann. Mach dein Ding!“ Und das hat er natürlich gemacht.»

Airey sieht Gitarre als treibende Kraft

Mit dabei ist zudem sein langjähriger Mitstreiter Simon McBride. Der 45-Jährige ist mittlerweile auch fester Gitarrist von Aireys Hauptband Deep Purple. «Die (Gitarren-)Riffs kommen zwar von mir, aber ich bin nur ein Keyboarder», sagt Airey über «Pushed To The Edge». McBride sei sehr gut darin, Ideen einzubringen, Änderungen vorzuschlagen – und hatte damit maßgeblichen Einfluss auf die Songs.

«Als Keyboarder im Hardrock ist man nicht die treibende Kraft. Das kommt eher von der Gitarre», findet der Tastenguru. «Ich liebe es, in einen Proberaum zu gehen, wo ein Marshall-Stack mit zwei Boxen und daneben ein schlecht gelaunter Typ mit einer Gitarre um den Hals steht.» Er grinst. «Da weiß man sofort, dass etwas Gutes dabei rauskommt.» In diesem Fall sind es kräftige, mitreißende Songs wie «Moon Rising» oder das sehr melodische «Power Of Change», auf denen sich Hammond-Orgel und E-Gitarre perfekt ergänzen.

Überraschende Verbindung zu Billie Eilish

Eine Besonderheit ist «Girl From Highland Park», eine rein instrumentale Pianoballade mit orchestralen und jazzigen Elementen, die Superstar Billie Eilish gewidmet ist. «Ich bin ein ziemlicher Fan», erzählt der 76-Jährige überraschend. «Ich habe einfach nur den ersten Akkord von ihrem Song „I Love You“ gespielt, und daraus ist dann das ganze Stück entstanden. Da dachte ich mir, das ist meine kleine Hommage an jemanden, den ich wirklich bewundere.»

Don Airey, der auch Jazz liebt und gelegentlich mit Jazzmusikern in einem Pub in seiner Nachbarschaft auftritt, ist immer für eine originelle Idee gut. So ist im Intro des stampfenden Rockkrachers «They Keep On Running» eine Trompete zu hören – im Hardrock eine absolute Rarität. Auch dank solcher Details ist ihm mit «Pushed To The Edge» ein wirklich gutes Album gelungen.

Quelle: dpa

 

Großbritannien Hardrock Musik Pop Rock

Das könnte Dich auch interessieren

12.03.2025 Teures Fan-Erlebnis: Ein Tag als Assistent von Gene Simmons Wenn Kiss-Bassist und -Sänger Gene Simmons auf Solotournee geht, können Fans ganz nah dabei sein und ihn als Assistent und Roadie unterstützen. Dafür müssen sie allerdings tief in die Tasche greifen. 04.04.2025 Elton Johns grandioses Spätwerk mit Brandi Carlile Die großen Tourneen hat Elton John hinter sich gelassen, die Musik nicht. Im Duett mit Brandi Carlile wirkt der 78-Jährige wie verjüngt. Die Grammy-Gewinnerin erzählt von einem anstrengenden Projekt. 30.03.2025 Streitbare Gitarrenlegende: Eric Clapton wird 80 Nur wenige haben die Rockmusik so geprägt wie Eric Clapton mit seinen Bands und als Solokünstler. Zuletzt machte der Gitarrenvirtuose allerdings nicht nur mit seiner Musik von sich reden. 28.03.2025 Bryan Ferry und Amelia Barratt: Gesanglos, aber klangvoll Nach elf Jahren veröffentlicht Bryan Ferry wieder neue Musik. Das Album «Loose Talk» mit der Künstlerin Amelia Barratt ist ein faszinierendes Klangerlebnis. Ferrys Stimme ist allerdings kaum zu hören.